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Infodienst Nr. 8

Datum: 27.08.2019

Empfehlungen zu Winterraps

Eine gute Vorbereitung der Aussaatflächen ist der Grundstein für eine erfolgreiche Unkrautbekämpfung und damit für einen hohen späteren Ertrag. Dies gilt für das Mulchsaat- und Pflugverfahren gleichermaßen. Alle Maßnahmen, die den jungen Raps fördern, dienen indirekt auch der Unkrautbekämpfung. Niedrige Saatstärken sind zwar für die Bestandesführung gut, aber auf stark verunkrauteten Flächen wenig angebracht. Eine sorgfältige Einarbeitung von Strohresten und die Schaffung eines feinkrümeligen und genügend abgesetzten Saatbeetes fördert das rasche und gleichmäßige Auflaufen des Rapses. Auch vorhandene Unkräuter und Ungräser laufen zügig und gleichmäßig auf und können deshalb optimal mit Herbiziden bekämpft werden. Probleme ergeben sich durch die veränderten Rahmenbedingungen beim Clomazone-Einsatz und dem mehr und mehr umstrittenen Wirkstoff Metazachlor, der vorallem in Wasserschutzgebieten Probleme machen kann.

Insbesondere unter der Prämisse, dass keine insektiziden Beizmittel zu Verfügung stehen ist eine zügige Bestandsetablierung wichtiger denn je, um dem eventuell auftretenden Rapserdfloh möglichst wenig Angriffsflächen zu bieten.

Es ist unabdingbar über Gelbschalen den Rapserdfloh zu überwachen. Sofern der Schädling vorhanden ist und an den Keimblättern 10% der Blattfläche durch den typischen Lochfraß zerstört sind, muss eine Behandlung mit einem zugelassenen Pyrethroid durchgeführt werden.

Damit die Kosten für die Unkrautbekämpfung nicht ausufern, sollte die Auswahl der geeigneten Herbizide an der vorhandenen Unkrautflora und den Böden festmacht werden. Wir beobachten insbesondere in rapsreichen Fruchtfolgen eine Veränderung des Unkrautspektrums hin zu schwerer bekämpfbaren Arten wie Storchschnabel, Stiefmütterchen und den Kreuzblütlern Hirtentäschel und Hellerkraut.

Clomazonehaltige Produkte im VA

Die Auflagen bei den clomazonehaltigen Produkten wurden im Gegensatz zu 2013 etwas abgemildert. Die Hürden für den Einsatz von clomazonehaltigen Produkten sind nach wie vor hoch, besonders in unserer reichstrukturierten und kleinräumigen Landschaft und es sind so viele Flächen, insbesondere Randstrukturen vom Einsatz mit Clomazone ausgeschlossen. Es sind aber dennoch die wirksamsten Mittel bei den Problemunkräutern Ackerhellerkraut und Hirtentäschel mit guter Wirkung auch gegen Raukearten. Mögliche Mischungen sind 2,0 l Butisan Kombi + 0,33l Gamit 36 CS / AMToder Quantum 2,0 + 0,33l Gamit 36 CS bzw 3,0-4,0 l Colzor Trio.

Nach wie vor gelten aber folgende Anwendungsbestimmungen:

NT 154: Bei der Anwendung des Mittels ist ein Abstand von 50 m zu Ortschaften, Haus- und Kleingärten, Flächen mit bekannt clomazone-sensiblen Anbaukulturen (z.B. Gemüse, Beerenobst) und Flächen, die für die Allgemeinheit bestimmt sind, einzuhalten. Dieser Abstand ist ebenso einzuhalten zu Flächen, auf denen gemäß der Verordnung (EG) Nr. 834/2007 (Ökoverordnung) und gemäß der Verordnung über diätetische Lebensmittel (Diätverordnung) produziert wird. Zu allen übrigen angrenzenden Flächen (ausgenommen Flächen, die mit Winterraps, Getreide, Mais oder Zuckerrüben bestellt wurden, sowie bereits abgeerntete Flächen wie z.B. Stoppelfelder) ist ein Abstand von mindestens 5 m einzuhalten.

Für die beiden Pflanzenschutzmittel Centium 36 CS und Gamit 36 CS/AMT gilt folgende Ergänzung: "Der Abstand von 50 m kann auf 20 m reduziert werden, wenn das Mittel nicht in Tankmischung mit anderen Pflanzenschutzmitteln oder Zusatzstoffen ausgebracht wird."

NT 127: Die Anwendung des Mittels darf ausschließlich zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens erfolgen, wenn Tageshöchsttemperaturen von mehr als 20 °C Lufttemperatur vorhergesagt werden. Wenn Tageshöchsttemperaturen von mehr als 25 °C vorhergesagt werden, darf das Mittel nicht angewendet werden.

NT145: Das Mittel ist mit einem Wasseraufwand von mindestens 300 l/ha auszubringen. Die Anwendung des Mittels muss mit einem Gerät erfolgen, das in das Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" vom 14. Oktober 1993 (Bundesanzeiger Nr. 205, S. 9780) in der jeweils geltenden Fassung, mindestens in die Abdriftminderungsklasse 90 % eingetragen ist. Abweichend von den Vorgaben im Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" sind die Verwendungsbestimmungen auf der gesamten zu behandelnden Fläche einzuhalten.
NT146: Die Fahrgeschwindigkeit bei der Ausbringung darf 7,5 km/h nicht überschreiten.
NT152: Die Anwendung des Mittels darf nur auf Flächen erfolgen, die vorher in einen flächenscharfen Anwendungsplan aufgenommen wurden, der den Saatzeitpunkt, den geplanten und den tatsächlichen Anwendungszeitpunkt, die Aufwandmenge, die Wassermenge und Details der Anwendungstechnik enthält. Der Plan ist während der Behandlung für Kontrollzwecke mitzuführen.
NT153: Spätestens einen Tag vor der Anwendung von Clomazone-haltigen Pflanzenschutzmitteln sind Nachbarn, die der Abdrift ausgesetzt sein könnten, über die geplante Anwendung zu informieren, sofern diese eine Unterrichtung gefordert haben.

Nicht Clomazonehaltige Produkte im VA

Die Grundlage der clomazonefreien Behandlung bildet die Vorlage eines metazachlorhaltigen Produkts womit beim Einsatz im VA eine gute Bekämpfung gegen Hirtentäschel und Ackerhellerkraut gegeben sind. Als Produkte geeignet sind 2,5 l Butisan Gold, 2,5 l Butisan Kombi und 2,0l Fuego Top. Allerdings nimmt bei diesen Mitteln die Wirksamkeit gegen Kreuzblütler im frühen NA deutlich ab. Butisan Gold ist sicher das am breitesten wirkenden Mittel, da 3 Wirkstoffe enthalten sind, die sich gut ergänzen. Gegen Storchschnabel sind Butisan Gold bzw. –Kombi am besten wirksam. Denkbar sind auch Mischungen mit 1,0 l Quantum und. 1,5 l Fuego Top, die preislich etwas günstiger sind. Allerdings hat Quantum die Auflage NG 405 und daher dürfen diese Produkte nicht auf drainierten Flächen ausgebracht werden.

Nicht Clomazonehaltige Produkte im NA

Breit wirksam sind Butisan Top, Fuego Top und Katamaran Plus ,in denen unter anderem der Wirkstoff Quinmerac enthalten ist, der für eine sehr gute Wirkung gegenüber dem Klettenlabkraut sorgt. Fuego Top, Butisan Top oder Butisan Kombi lassen sich gut mit in Mischung mit Runway einsetzen. Vermarktet wird beispielsweise der Runway Kombi Pack aus 2,5 l Butisan Kombi und 0,2 l Runway, der in Tankmischung im frühen NA oder als Spritzfolge mit Butisan Kombi im VA und Runway im NA eingesetzt werden kann. Neu zugelassen seit 2017 ist Runway VA, das ein recht gute Wirkung gegen Stiefmütterchen zeigt und ansonsten gut gegen Kamille, Mohn und Kornblume wirkt.

Bei Runway muss die Auflage NG 348 beachtet werden, die einen Einsatz des Wirkstoffs Clopyralid (Effigo, Lontrel, Ariane C) in den folgenden 2 Jahren auf der gleichen Fläche verbietet.

Im späten NA kann Fox gegen Stiefmütterchen und Effigo bei ungenügender Wirkung gegen Kornblume, Kamille und Klettenlabkraut eingesetzt werden.

Neues für den Nachauflauf

Das Clomazone- und Metazachlor-freie Herbizid Belkar (48 g/I Picloram, 10 g/I Halauxifen-methyl) wurde mit max. 0,5 l/ ha gegen einjährige zweikeimblättrige Unkräuter zur Unkrautbekämpfung im Nachauflauf zugelassen. Bei zeitigem Einsatz ist auf die vollständige Entwicklung des zweiten Laubblattes zu achten. Der neue Wirkstoff kommt aus der HRAC-Gruppe O. Die Wirkstoffe aus dieser Gruppe sind kaum resistenzgefährdet. Die Wirkungsstärken sind neben Klettenlabkraut, Kornblume, Kamillearten, Klatschmohn, Storchschnabel, Ackerhellerkraut und Hirtentäschel. Mit Belkar können resistente Unkrautbiotypen bekämpft werden.

Und wo liegt der Vorteil von Belkar? Entscheidend ist, dass man es im Nachauflauf gegen viele relevante Rapsunkräuter einsetzen kann. Die Betonung liegt dabei auf dem Nachauflauf. Somit können Sie mit der Herbizidbehandlung warten, bis klar ist, ob sich der Raps ausreichend gut etabliert hat. Die Aufwandmenge beträgt 0,5 l/ha als Einmalbehandlung oder als Splitting 2 x 0,25 l/ha. Belkar wird mit Synero 30 SL (30 g/I Aminopyralid) im Belkar Power Pack (Belkar + Synero 30 SL) vermarktet. Synero 30 SL ist eine Vertriebszulassung von Runway VA. Die Spritzfolge von 0,25 l/ha Belkar + 0,25 l/ha Synero 30 SL l/ha im BBCH 12-14 des Rapses gefolgt von 0,25 l/ha Belkar ab BBCH 16 bis 18 im Abstand von mindestens 14 Tagen oder die Einmalbehandlung von 0,5 l/ha Belkar + 0,25 l/ha Synero 30 SL ab BBCH 16 bis 18 werden empfohlen. Dabei gilt die Spritzfolge als wirkungssicherer. Eine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Aminopyralid im folgenden Kalenderjahr ist verboten (NG349).

Als Mischpartner sind bislang nur wenige Produkte freigegeben. Dies sind alle Insektizide sowie die Gräsermittel Focus Ultra + Dash (2,5 + 1,0 l/ha), Panarex (1,25 l/ha) und Gallant Super. Nicht freigegeben sind Mischungen mit allen anderen Herbiziden sowie Bor-haltigen Blattdüngern und Fungiziden/Wachstumsreglern. Zudem ist ein Abstand zwischen Maßnahmen mit diesen Produkten und Belkar von einer Woche einzuhalten. Zu guter letzt muss man auf Flächen, auf denen Belkar eingesetzt werden soll, gänzlich auf einen Herbsteinsatz von Metconazol-haltigen Fungiziden verzichten. Der Wirkstoff Metconazol ist in Carax, Efilor und Caramba enthalten. Erst im Frühjahr ist deren Anwendung wieder möglich.



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