Infodienst Nr. 21

Infodienst Nr. 21

Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen

29.09.2022

 

Winterraps

Kontrollieren Sie weiterhin Ihre Bestände auf Erdfloh- und Schneckenbefall. Vor allem bei Rapspflanzen, die noch in ES 11 – 12 sind können bei diesen Witterungsverhältnissen auftretende Schnecken noch wirtschaftliche Schäden anrichten.

 

Wintergetreide:

Im Landkreis hat die Herbstbestellung des Getreides begonnen bzw. wird bei trockenen Bodenverhältnisse die nächsten Tage fortgesetzt.

Ein Herbizideinsatz im Herbst ist einer Frühjahrsbehandlung vorzuziehen, weil nach dem Winter die Unkräuter und Ungräser zu weit entwickelt sein könnten, die Böden nicht immer rechtzeitig befahrbar sind und ungünstige Witterung (z. B. Nachtfrost) eine zeitgerechte Maßnahme verhindern können. Schäden an den Kulturen sind zudem häufiger ertragswirksam und die Auswahlmöglichkeiten bei den Herbiziden teilweise deutlich begrenzt sind. Insbesondere bei den früh gesäten Getreidearten Wintergerste, Roggen und Triticale muss der Herbizideinsatz im Herbst eingeplant werden. Bei absoluten Spätsaaten (Weizen) ist der Unkrautdruck im Herbst in der Regel gering, sodass Frühjahrsbehandlungen eventuell sinnvoller sind. Auch bei sehr grobscholligem Saatbeet und gleichzeitig späteren Saatzeitpunkten, bei dem nach dem Zerfallen der Kluten erneut Ungräser und Unkräuter auflaufen können, hat die Frühjahrsbehandlung insbesondere bei Weizen Vorteile.

Bei einer Herbstbehandlung mit einem Vorauflaufherbizid sollte das Saatbeet fein, gut abgesetzt und feucht sein bzw. Niederschlag nach der Behandlung folgen und ca. 2 Tage nach der Behandlung frostfrei sein. Damit es keine Unebenheiten im Feld gibt, bietet sich ein Walzeneinsatz nach der Saat an, sodass Spritzschatten vermieden werden und sich bei der Applikation ein gleichmäßiger, lückenloser Herbizidfilm bilden kann.

Eine umfangreichere Herbizidliste enthält der Ratgeber „Integrierter Pflanzenschutz 2022“ (Seite 52 u. 53, Tabelle 19), vollständige Hinweise zu den einzelnen Mitteln stehen in der Gebrauchsanleitung.

Aufgrund zunehmender Resistenzen gegen Ackerfuchsschwanz (Afu) und auch Windhalm bei Wirkstoffen der WSSA-Gruppen 1 und 2 (ALT: HRAC Gruppen A und B; betrifft fast alle blattaktiven Gräsermittel) sollten Herbstbehandlungen als Resistenzbrecher eine zentrale Rolle in der Herbizidstrategie spielen. Nur im Herbst können die WSSA Wirkstoffgruppen eingesetzt werden, die von Resistenzen noch kaum betroffen sind. Der zentrale Baustein ist der Wirkstoff Flufenacet, der kombiniert mit anderen Wirkstoffen adäquate Lösungen bei unterschiedlichen Verunkrautungen und Gräserdruck bietet.

Beim Einsatz von Bodenherbiziden, die auf dem Wirkstoff Flufenacet aufgebaut sind – also z.B. Cadou, Herold, Malibu, Broadcast Duo, … – ist der Vor- bzw.  frühe Nachauflauf der beste Zeitpunkt um Gräser effektiv zu bekämpfen.

Auf Fuchsschwanz‐Standorten empfiehlt sich eine Behandlung direkt nach der Aussaat bis spätestens dem Spitzen des Getreides. Geht es lediglich um die Bekämpfung von Windhalm, kann bis zum sichtbar werden der Fahrgassen (Windhalm max. 2 Blätter) abgewartet werden.

Der Wirkstoff Flufenacet erfährt eine Unterstützung in der Gräserwirkung durch die Wirkstoffe Pendimethalin (z.B. StompAqua, Activus, …), Chlortoluron (z. B. Lentipur, Toluron 700 SC, Anwendungsbestimmungen beachten), Aclonifen (Mateno Duo) oder vor allem durch Prosulfocarb (Boxer, Filon, Jura). Auf Standorten mit ausgeprägten Ackerfuchsschwanzresistenzen zeigt die Mischung aus Prosulfocarb und Flufenacet gute Wirkungsgrade.

Seit letztem Jahr neu im Getreide ist der Wirkstoff Aclonifen, der bis jetzt hauptsächlich in Kartoffeln oder Leguminosen mit dem Produkt Bandur eingesetzt wurde. Der Wirkstoff wird im Produkt Mateno Duo in Kombination mit Diflufenican vertrieben. Um eine gute Gräserwirkung zu erzielen wird bei Windhalm 0,25 l/ha Cadou und bei Ackerfuchsschwanz 0,5 l/ha Cadou dazugegeben (im Pack erhältlich). Die Aufwandmenge beträgt von Mateno Duo 0,35 l/ha. Ausschließlich bei Winterweizen und Triticale im Vorauflauf dürfen 0,7 l/ha eingesetzt werden.

Wenn nur Windhalm vorhanden ist, können auch Produkte wie Carmina 640, Trinity, … eingesetzt werden. Hierbei sollten Sie beachten, dass nicht alle Weizensorten eine CTU – Verträglichkeit besitzen. 

Ein anderer Wirkstoff (Flumioxazin) ist in dem Produkt Sumimax enthalten. Dieses Mittel ist ausreichend gegen Windhalm und die übliche zweikeimblättrige Verunkrautung wirksam, allerdings nicht gegen Ackerfuchsschwanz und ist nur in WW zugelassen. 

Die Wirkung der oben beschriebenen Mittel kann gegen Ausfallraps durch eine Teilmenge von 10 g/ha Pointer SX verbessert werden (ab dem 3-Blatt-Stadium der Kultur).

Bei der Ungras- und Unkrautbehandlung muss beachtet werden, dass bei Trockenheit oder sehr

klutigen Böden und gleichzeitig starkem Ackerfuchsschwanzdruck, der bei der Behandlung schon mehr als ein Blatt „besitzt“ reine Bodenherbizide überfordert sind. Standorte mit Ackerfuchsschwanz und Unkräutern sollten dann mit Kombinationen aus blatt- und bodenaktiven Mitteln behandelt werden, um den Neuauflauf von Unkräutern sowie die Resistenzgefahr blattaktiver Herbizide zu minimieren. Stimmt allerdings Bodenfeuchtigkeit und Bodenstruktur kann bei schwachem bis mittleren Afu-Besatz oder auf reinen Windhalmstandorten mit vorwiegend bodenwirksamen Mitteln gearbeitet werden.

 

Wenn allerdings der frühe Zeitpunkt für Bodenherbizide versäumt wurde, kann in der Wintergerste nur noch mit einem reinen Blattherbizid wie Axial gegen Ackerfuchsschwanz behandelt werden. Axial hat die beste Wirkung zum Ende der Vegetation (Nikolausspritzung). Dieses Mittel muss mit einem Partner gegen zweikeimblättrige Unkräuter kombiniert werden. Viper Compact, Stomp Aqua, Agolin, Malibu, Trinity, Herold, … können hier zum Einsatz kommen. Noch besser ist die Ausbringung im Splittingverfahren. Eine zweimalige Anwendung (Herbst + Frühjahr) von Axial 50 ist rechtlich verboten und macht aus resistenzgründen auch keinen Sinn.

Bei Weizen besteht als Notmaßnahme bei unzureichenden Wirkungsgraden die Möglichkeit der Nachbehandlung mit Niantic oder Traxos. Der Einsatz von Niantic im Herbst wird nicht empfohlen, da aus Resistenzmanagementgründen diese noch gut wirksamen Wirkstoffe auf Frühjahrsanwendungen in Weizen beschränkt werden sollten. Niantic hat im Herbst nur dann seine Berechtigung, wenn massive Trespenprobleme vorhanden sind, kann dann aber nur in Weizen eingesetzt werden.

 

Bitte beachten: 

Bei der Planung der Unkrautbekämpfungsmaßnahmen in Wintergetreide müssen die vorgeschriebenen Anwendungsbestimmungen mit einkalkuliert werden. Der Anwender sollte sich daher rechtzeitig damit vertraut machen. Insbesondere die Auflagen zum Gewässerschutz, wie unbehandelte, begrünte Randstreifen bei Hangneigung über 2% und Gewässerabstände können den Einsatz einiger Mittel stark einschränken. Auch sind die Abstandsauflagen an AWGN-Gewässern zu berücksichtigen. Teilweise haben Produkte bei unterschiedlichen Aufwandmengen auch unterschiedliche Abstände zu den Gewässern. Ähnliches gilt bei Generkia-Produkten. Diese haben fast immer höhere Abstände zum Gewässer wie die Originale.

Der Wirkstoff Chlortoluron darf nicht eingesetzt werden auf drainierten Flächen (NG405), leichten Böden (NG 414: Sand bis schwach schluffiger toniger Sand mit Corg <1,5%). Außerdem gilt die Hangneigungsauflage NG 404: bei einer Hangneigung>2% zwischen behandelter Fläche und Oberflächengewässer muss eine mindestens 20m breite geschlossene Pflanzendecke vorhanden sein oder die Saat im Direktsaat, bzw. Mulchsaatverfahren erfolgt sein).

Es gelten die untenstehenden Anwendungsbestimmungen für Pendimethalin- und Prosulfocarb- haltige Mittel (z.B.: Stomp Aqua, Picona, Activus, Addition/Agolin, Malibu, Trinity, Boxer/Filon, Jura, …) die die Verflüchtigung und Abdrift herabsetzen sollen.

Die Anwendungsbestimmungen haben folgenden Wortlaut:

 (NT145) "Das Mittel ist mit einem Wasseraufwand von mindestens 300 l/ha auszubringen. Die

Anwendung des Mittels muss mit einem Gerät erfolgen, das in das Verzeichnis

"Verlustmindernde Geräte" vom 14. Oktober 1993 (Bundesanzeiger Nr. 205, S. 9780) in der

jeweils geltenden Fassung, mindestens in die Abdriftminderungsklasse 90 % eingetragen ist.

Abweichend von den Vorgaben im Verzeichnis "Verlustmindernde Geräte" sind die

Verwendungsbestimmungen auf der gesamten zu behandelnden Fläche einzuhalten."

 (NT146) "Die Fahrgeschwindigkeit bei der Ausbringung darf 7,5 km/h nicht überschreiten."

 (NT170) "Die Windgeschwindigkeit darf bei der Ausbringung des Mittels 3 m/s nicht

überschreiten."

Produkte wie z.B.: Addition, Agolin, Jura, Trinity, Viper Compact, Sunfire, … dürfen auf drainierten Flächen nur bis zum 31.Oktober eingesetzt werden. 

Es wird darauf hingewiesen, dass landesweit Kontrollen bezüglich Gewässerabstandsauflagen und

CTU – Anwendungsbestimmungen durchgeführt werden.

Zuwiderhandlungen sind Bußgeld pflichtig und es werden nach Cross-Compliance Abzüge bei den

Prämienzahlungen vorgenommen. Informieren Sie sich deshalb rechtzeitig.

 

IPSplus in Schutzgebieten

Uns fällt immer wieder auf, dass nicht alle Bewirtschafter wissen, ob sie Flächen in sogenannten Schutzgebieten bewirtschaften. Ob Sie Flächen in Landschaftsschutzgebieten, FFH- und Vogelschutzgebieten sowie auf intensiv genutzten land- und fischereiwirtschaftlichen Flächen in Kern- und Pflegezonen von Biosphärengebieten, in gesetzlich geschützten Biotopen und in Naturdenkmalen bewirtschaften können Sie über das Fachprogramm FIONA herausfinden. Hierbei gibt es die Möglichkeit über GIS --> Menü öffnen --> Karten --> Umweltdaten und dann die einzelnen Schutzgebiete aktivieren, oder über Gemeinsamer Antrag --> Auswertungen --> 4. Schlaginformationen zu Schutzgebieten dies herauszufinden. 

Haben Sie (einzelne) Flächen in solchen Schutzgebieten müssen Sie IPSplus auf diesen Flächen anwenden. Dies wird über Fachrechtskontrollen kontrolliert und wohl ab 2023 bei Nichteinhaltung auch sanktioniert. Nähere Informationen zu den einzelnen Maßnahmen finden Sie unter folgendem Link: https://ltz.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lfr/Arbeitsfelder/Integrierter+Pflanzenschutz

Für die Herbizidanwendung in diesen Gebieten spielt z.B. die Maßnahme A 8.1 eine Rolle. Hierbei müssen Sie je Bewirtschaftungseinheit ein Spritzfenster anlegen. Dieses sollte mindestens 10 m von der Feldgrenze entfernt und ca. 10m lang und 5 m breit sein.

 

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