Infodienst Nr. 15

Infodienst Nr. 15
Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen
Stand 03.06.2022

 

Winterweizen

Der Weizen schiebt im südlichen Teil des Landkreises die Ähren (ES 49) bzw. sind schon zu sehen (ES 51) und die nächsten Tage wird dies im nördlichen Teil folgen. Somit steht je nach Betriebsstrategie in den nächsten Tagen eine klassische Ährenbehandlung oder auch schon eine Fusariumbehandlung (zur Blüte) an.

Bei einer klassischen Ährenbehandlung in ES 51 – 55 sind Produkte zu wählen, welche Carboxamide, Azole und Strobilurine, teilweise auch Kontaktwirkstoffe enthalten. WICHTIG, dass Sie den Wirkstoff Carboxamid nur einmal je Jahr einsetzten um Resistenzen vorzubeugen. Mögliche Produkte sind im „Integrierten Pflanzenschutz 2022“ in der Tabelle 22 auf den Seiten 60 und 61 unter Blatt- und Ährenbehandlung zu finden.

Bei einer Fusariumbehandlung (ES 63 – 65) sind folgende Produkte in voller Aufwandmenge zu empfehlen: Ampera, Prosaro, Input Classic, Soleil, Osiris MP, …. Skyway Xpro als carboxamidhaltiges Produkt empfehlen wir nur, wenn kein Fungizid aus dieser Gruppe vorgelegt wurde. 

Die genaue Wirkung der Mittel für die Ähren- / Fusariumbehandlung ist auch im Merkblatt „Integrierter Pflanzenschutz 2022“ in Tabelle 22 auf Seite 60 und 61 dargestellt.

 

Wann besteht eine Fusariumgefahr?

Eine feuchte und warme Witterung während der Blüte begünstigt grundsätzlich die Infektionsbedingungen für Fusarium. Befeuchtete Ähren während der Blüte und Temperaturen über 15 bis 20°C sind günstig um Infektionen auszulösen. Nach Aussagen der Kollegen von Nordrhein-Westfalen wird der endgültige Befall auch entscheidend vom weiteren Witterungsverlauf bestimmt. Trockenheit im Juli entschärft die Toxinbildung, der Befall vertrocknet sozusagen. Gegenteilig kann bei hohen Niederschlägen nach nur mäßiger Infektionswitterung eine hohe Toxinbelastung entstehen. Unter solchen Bedingungen ist dann auch Weizen nach Raps gefährdet. 

Behandlungen sollten nahe an Niederschlägen (Regenschauer /Taubildung >2 mm) gefahren werden. Ideal ist es innerhalb eines Tages vor oder bis 2 Tagen nach der Infektion das Pflanzenschutzmittel auszubringen. Bis vier Tage nach einer Fusariuminfektion kann noch eine gute bis ausreichende Wirkung erwartet werden. Ziel muss es sein die Mykotoxinbildung um mindestens 50% zu reduzieren, um DON-Werte zu erreichen, die unter dem gesetzlichen Grenzwert liegen. Die Erfahrung zeigt, dass Behandlungen anfangs bis Mitte Blüte hohe Wirkungsgrade haben und dieser Zielsetzung entsprechen. 

 

Getreidehähnchen

Auf unseren Beobachtungsflächen ist der Bekämpfungsrichtwert von 20 % geschädigter Blattfläche auf den obersten drei Blättern oder ein Ei bzw. eine Larve je Halm beim Getreidehähnchen nicht überschritten. Ein prophylaktischer bzw. routinemäßiger Einsatz entspricht nicht den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes nach der Richtlinie 2009/128/EG Artikel 14, Absatz 4, und ist daher zu unterlassen. Zur Ermittlung des Bekämpfungsrichtwertes werden an 5 Stellen pro Bewirtschaftungseinheit jeweils an 5 zufällig ausgesuchten Halme überprüft.

Bewirtschaften Sie Flächen in Schutzgebieten, gibt es beim Insektizideinsatz besondere Auflagen zu beachten. Solange keine amtliche Behandlungsempfehlung vorliegt und es auf einzelnen Schlägen zu einer Überschreitung des Bekämpfungsrichtwertes kommt, ist Rücksprache mit der amtlichen Beratung aufzunehmen. Denken Sie in den Schutzgebieten immer an die Dokumentation, die Randdüse, … und ein Spritzfenster.

Gleiches gilt für Blattläuse. Hier gilt für die Bekämpfungsschwelle 65 % besiedelte Ähren bzw. Fahnenblätter, d.h. von 50 Halmen sind 33 Halme bzw. Ähren besiedelt.

 

Feldrandhygiene

Führen Sie an Wegen, Weg- und Feldrändern zur Vorbeugung des Einwanderns von Ungräsern oder Unkräutern wie z.B. Trespen, Jährige Rispe, Storchschnabel oder Ackerwinden in die Kulturfläche eine mechanische Pflegemaßnahme durch. Sollten die Trespen schon vom Rand her in den Bestand eingewandert sein, scheuen Sie auch nicht davor zurück, etwas in den Bestand zu fahren und im Zweifelsfall etwas Getreide im Randbereich mit weg zu mähen. Das sieht zwar im Moment nicht schön aus, verringert aber das Samenpotenzial für die Zukunft. Durch das Mähen bzw. Mulchen der Wegränder wird eine dichte Grasnarbe gefördert und gleichzeitig der Pilz- und Unkrautdruck auf die Kulturpflanzen gemindert. 

Gleichzeitig sind aber Feldränder wichtige Vernetzungsstrukturen und dienen als Rückzugsgebiete und Flächen, die einen Austausch von Kleinlebewesen in unserer ziemlich beanspruchten Agrarlandschaft möglich machen. Ein einmaliges Abmähen /-mulchen der Ränder zur Grasblüte stellt einen Kompromiss dar und ist in den meisten Fällen ausreichend. 

Hinsichtlich des Insektenschutzes sollten Sie auf das Mulchen zu verzichten und am besten die mechanische Pflegemaßnahme mit einem Messerbalken durchzuführen. 


Eine chemische Behandlung von Wegen und Wegrändern ist verboten und wird mit Bußgeldern belegt. Zudem wird die Grasnarbe abgetötet und das Einwandern von Unkräutern und Trespen erleichtert. Diese Maßnahme erweist sich also im doppelten Sinne kontraproduktiv.

 

IPSplus 

Betriebe, die Flächen in Schutzgebieten bewirtschaften sollten die Bestimmungen des IPSplus beachten. 

https://ltz.landwirtschaft-bw.de/pb/,Lde/Startseite/Arbeitsfelder/Integrierter+Pflanzenschutz

 

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