Infodienst Nr.7

Infodienst Nr. 7
Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen
Stand 08.04.2022

 

Winterraps

Der Raps hat sich auch in den kalten Tagen stark weiterentwickelt und befindet sich in Krauchenwies in ES 30 -39, teilweise schon in ES 51. 

Betriebe, die ihren Winterraps noch nicht fertig gedüngt haben, sollten dies schleunigst tun.

Durch die Frostnächte in KW 13 hat der Raps teilweise Frostrisse bekommen. Ob dadurch bleibende Schäden verursacht wurden, kann derzeit noch nicht abgeschätzt werden. Dort wo Frostrisse entstanden sind, besteht natürlich die Gefahr von Infektionen durch Phoma und auch Botrytis. Wie sich das Infektionsrisiko entwickelt, kommt auf die Witterung der nächsten Tage an. Bis zum jetzigen Zeitpunkt war an keinen Pflanzen nennenswert Phoma zu sehen. Azolfungizide haben kaum eine Wirkung gegen Botrytis.

Wir empfehlen aufgrund der Versuchsergebnisse der letzten Jahre aus den Landesversuchen generell keinen Einsatz von Fungiziden im Frühjahr im Winterraps. Daran ändert auch die momentane Situation nach den Frostnächten nichts. 

Wenn eine wuchsregulierende Wirkung bzw. die Forderung von Nebentrieben gewünscht ist sollten Sie folgendes beachten:

-       wüchsige Bestände nicht zu früh und zu intensiv einkürzen (ca. 20- 30 cm Wuchshöhe)

-       schwächere Bestände früh und mit moderaten Mengen behandeln

Versprechen Sie sich aber nicht allzu viel davon.

Mögliche Produkte finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2022“ (Tabelle 43, Seite 90), bei denen unter Standfestigkeit eine Aufwandmenge angezeigt wird.

 

 

Kontrollieren Sie Ihre Gelbschalen und denken Sie daran, dass diese „mitwachsen“ sollten. Achten Sie speziell Anfang der Woche, ob noch Rüsslerfänge zu verzeichnen sind.

Wenn nur der Rapsglanzkäfer eine Rolle spielt, ist die Befallsfeststellung an den Haupttrieben durchzuführen.

Der Bekämpfungsrichtwert liegt bei 10 Käfer/Haupttrieb bei wüchsigen/starken Beständen. Bei schwachen Beständen halbiert sich dieser Wert auf 5 Käfer/Haupttrieb. Rapsglanzkäfer in Gelbschalen zeigen den Zeitpunkt des Zuflugs, sind aber ohne Aussagekraft über den Befallsdruck im Feld!

Ab Stadium ES 51 (Hauptblütenanlage inmitten der obersten Blätter von oben sichtbar) ist Avaunt (bzw. Sindoxa) das über andere Wirkungsmechanismen als die Pyrethroide verfügen die erste Wahl für die frühe Bekämpfung der Rapsglanzkäfer. Avaunt (bzw. Sindoxa) ist allerdings als B1 (bienengefährlich) eingestuft, und darf nur eingesetzt werden, solange noch keine blühenden Pflanzen (auch Unkräuter!) im Bestand zu finden sind. Avaunt (bzw. Sindoxa) dürfen Sie in diesem Jahr zum letzten Mal einsetzen, da die Aufbrauchfrist am 19.09.2022 endet! Blühen bereits erste Unkräuter oder Kreuzblütler, bleibt es bei Trebon 30 EC (B2) oder Mavrik Vita (B4).

Die Produkte Mospilan SG und Danjiri dürfen seit dem 12. März 2021 nicht mehr auf offene Rapsblüten ausgebracht werden. Somit stehen diese Produkte vom Kulturstadium 51 „Hauptinfloreszenz in mitten der obersten Blätter von oben sichtbar“ bis zum Stadium 59 „Erste Blütenblätter sichtbar; Blüten noch geschlossen“ nur noch eingeschränkt zur Verfügung. 

Grundsätzlich empfehlen wir Insektizidbehandlungen mit mindestens 250 l, besser aber 300 l Wasser je ha bei sonnigem und windstillem Wetter, durchzuführen, um die Wirkungssicherheit zu erhöhen. 

Beachten Sie bitte die Gewässerabstandsregelungen und die Bienenschutzauflagen.

In Mischung mit azol-haltigen Fungiziden wie Timor, Folicur, … werden B4 – Pyrethroide auf B2 heruntergestuft. 

Informieren Sie sich vorher z.B. im „Integrierter Pflanzenschutz 2022“ Tabelle 42, Seite 88 und 89.

Bitte applizieren Sie in blühende Bestände grundsätzlich nur in den Abendstunden, auch wenn es sich um „bienenungefährliche Mittel (B4)“ handelt. Insbesondere Wildbienen und andere Insekten reagieren wesentlich empfindlicher auch auf vergleichsweise ungefährliche Insektizide und können massiv geschädigt werden. Deswegen gilt für die meisten Mittel die Auflage NN 410: „Das Mittel wird als schädigend für Populationen von Bestäuberinsekten eingestuft. Anwendungen sollten vermieden werden oder insbesondere zum Schutz von Wildbienen nur in den Abendstunden erfolgen.“

Des Weiteren lassen sich so auch Rückstände im Honig deutlich vermindern. 

 

Achtung: Mischungen aus verschiedenen Insektiziden werden grundsätzlich als B1 eingestuft, auch wenn die Mischungsparten bienenungefährlich und als B4 eingestuft sind. Dies gilt auch bei seperaten Spritzungen innerhalb von 3 Tagen.

 

Vergessen Sie nicht dem hohen Borbedarf von Raps Rechnung zu tragen und setzen Sie der Behandlung einen Bordünger der Spritzbrühe zu, um bis zur Blüte den Bedarf an 500-700 g Bor abzudecken.

 

Wenn Sie Rapsschläge in Schutzgebieten (Landschaftsschutzgebiet, Natura 2000, …) haben, müssen Sie die Dokumentation in dem Erhebungsbogen „A 3.2 Bekämpfungsrichtwerte bei der Bekämpfung von Rapsschädlingen“ oder einer vergleichbaren Tabelle aufzeichnen. Die genaue Beschreibung der Schutzgebiete und der Link für die Formulare sind im Infodienst Nr. 1 beschrieben.

 

 

Leguminosen

Wer noch eine Vorauflauf – Herbizidmaßnahme in seinen Leguminosen geplant hat, sollte dies bei der nächsten Gelegenheit durchführen um die Bodenfeuchte zu nutzen. Entwicklungsstadium der Kulturpflanze vorher nochmals kontrollieren. Produkte und Anwendungsbestimmungen wurden im Infodienst Nr. 5 erläutert.

 

Notfallzulassung Gerste

Seit Ende März liegen Notfallzulassungen für die Produkte Folpan 500 SC und Amistar Max vor. Hintergrund ist der Wegfall des Wirkstoffes Chlorthalonil im Jahr 2020.

Die Zulassung ist ausschließlich auf das Inverkehrbringen und die Anwendung gegen Ramularia collo-cygni in Gerste beschränkt. Die Zulassung wird für die Zeit vom 1. April 2022 bis zum 29. Juli 2022 für 120 Tage erteilt. Anders als im letzten Jahr, gilt die diesjährige Notfallzulassung für das ganze Bundesgebiet. Deshalb werden diese Produkte knapp sein/werden!

Die zugelassene Menge wird auf jeweils 90.000 Liter zur Behandlung einer Fläche von jeweils 60.000 ha bei einer Anwendung begrenzt.

Eine wichtig, der vielen Anwendungsbestimmungen ist:

-       Folpan 500 SC und Amistar Max sind nur in Tankmischung mit einem anderen Mittel, welches entweder den Wirkstoff Mefentrifluconazol (Revysol) oder Prothioconazol enthält, anzuwenden. 

 

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