Warndienst Nr. 26_2026
Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen
14.09.2026
Winterraps
Bis zum jetzigen Zeitpunkt und auf Flächen, welche von uns kontrolliert wurden, gab es noch keine nennenswerten Schäden durch den Rapserdfloh.
Kontrollieren Sie aber weiterhin regelmäßig Ihre Flächen!
Gräserbehandlung
Das Ausfallgetreide (Gräser) hat auf vielen Flächen das 3 – Blattstadium erreicht und nötige Maßnahmen können durchgeführt werden. Dieses Jahr ist meist auf Mulchsaatflächen deutlich mehr Ausfallgetreide vorhanden als die letzten Jahre. Dieses sollte sobald genügend Blattmasse vorhanden ist „herausgenommen“ werden. Mögliche Produkte finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ auf Seite 84, Tabelle 41. Falls Sie noch resistenten Ackerfuchsschwanz behandeln müssen und ein Produkt mit dem Wirkstoff Clethodim (z.B. Select 240 EC, …) oder Cyxloxydim (z.B.: Focus Ultra, …) einsetzen möchten, lesen Sie die Gebrauchsanleitung sorgfältig durch. So sollte z.B.: Select 240 EC + Radiamix ab Anfang Oktober in keiner Tankmischung appliziert werden und der Zusatzstoff Radiamix auf max. 0,5 l/ha reduziert werden. Auch sind nach der Behandlung ca. 10 - 14 Tage Vegetation von Vorteil.
Beachten Sie bei allen Produkten, dass die Blätter trocken sein sollten und am Tag der Behandlung sowie an ca. drei folgenden Tagen keine Nachtfrost- bzw. Reifgefahr besteht. Die in den zwei vorherigen Sätzen genannten Punkte spielen bis auf die Blattnässe z. Z noch keine Rolle.
Eine Gräserbehandlung gegen resistenten Ackerfuchsschwanz mit dem Wirkstoff Propyzamid (Kerb Flo, Milestone, …) macht zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Sinn, da bei diesem Wirkstoff die Bodentemperatur unter 10 °C liegen sollte.
Einkürzen
Früh gesäte Bestände sind in ES 13-15. Da frühe Wachstumsreglereinsätze (ca. ES 14-16) hohe Wirkungssicherheit mit geringeren Aufwandmengen bringen, sollten Sie an den Wachstums-reglereinsatz bei entsprechender Entwicklung Ihres Bestandes denken. Der frühe Einsatz verhindert in wüchsigen Beständen das Abheben (> 20 mm) des Vegetationskegels und verbessert die Winterhärte. Hierfür gibt es die bekannten Produkte mit den Wirkstoffen Tebuconazol (Folicur, Tilmor, Orius, …), Metconazol (Carax, Efilor), Paclobutrazol (Toprex) und Architect mit den Wirkstoffen F500 + Mepiquat + Prohexadione. Eine Übersicht finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ auf Seite 88, Tabelle 43 unter der Spalte „Wachstumsregulierung / Winterfestigkeit“.
Bei wüchsiger Witterung und hoher Stickstoffnachlieferung wird ein „Wuchsstopp“ besser mit den Wirkstoffen Metconazol, Mepiquat + Prohexadione oder Paclobutrazol erreicht.
Bitte beachten Sie bei einem Herbizideinsatz mit LaDiva bzw. Belkar, dass sie den Wirkstoff Metconazol im Herbst nicht einsetzten dürfen (Pflanzenschäden).
Zum Wachstumsreglereinsatz passt das Zumischen von Bor (100 – 200 g/ha). Wer seinem Winterraps etwas mehr bieten und die Ausnutzung von Stickstoff und Phosphat verbessern möchte, sollte zusätzlich an die Mikronährstoffe Mangan und Molybdän denken.
Auch beim Einkürzen sollten die Blätter trocken sein und am Tag der Behandlung sowie an ca. drei folgenden Tagen keine Nachtfrost- bzw. Reifgefahr bestehen.
Gedanken zur Wintergetreideaussaat
Die Wintergetreideaussaat rückt näher und darum möchten wir Ihnen Krankheiten wie Virosen sowie das Ungras Ackerfuchsschwanz wieder ins Gedächtnis rufen und Lösungsansätze aufzeigen.
Da sich die Verzwergungsviren über die Saugtätigkeit von Blattläusen (Große Getreideblattlaus und Haferblattlaus) beim Gerstengelbverzwergungsvirus und von Zikaden beim Weizenverzwergungsvirus „verbreiten“, sollten Sie in der Praxis auf folgendes achten:
- Ausfallgetreide („Grüne Brücke“) frühzeitig beseitigen
- virustolerante Sorten einsetzen
- wenn es die Wetterlage zulässt keine Frühsaaten machen.
Bei guter Wetterlage sollte in unserer Region Wintergerste nicht vor dem 28. September gedrillt werden. Im südlichen Teil des Landkreises sind Aussaaten bis zum 10. Oktober ohne Bedenken möglich. Dies haben wir in einem Saatzeitversuch am Standort Krauchenwies über mehrere Jahre getestet und die Erträge sind bei der „Spätsaat“ nicht abgefallen.
Bei verstärktem Aufkommen von Ackerfuchsschwanz sind „Spätsaaten“ in Fachzeitschriften immer wieder als Lösung zu lesen und in Versuchen wurde dies schon mehrfach bestätigt. Viele Betriebsleiter erschrecken dann und sehen hierbei Probleme, dass der Boden nicht mehr richtig abtrocknen kann und sie schlussendlich manche Flächen nicht mehr bestellen können.
Leider wird der Begriff „Spätsaat“ hierbei oft falsch definiert. Schon eine Verzögerung der Aussaat um 5 – 10 Tage kann deutliche Reduktionen an Ackerfuchsschwanzbefall herbeiführen. Das ist wahrscheinlich nicht auf Ihrer ganzen Fläche der Winterungen möglich, aber vielleicht auf den Flächen mit sehr starkem Samenpotential.
Auch eine Scheinsaat/falsches Saatbett kann den Ackerfuchsschwanzbesatz bei passender Witterung reduzieren. Wer ein falsches Saatbeet anlegt, muss sich im Klaren sein, dass bei regnerischer Wetterlage sich das fertige Saatbeet wie ein Schwamm vollsaugen kann und eine Herbstaussaat unmöglich macht. Hier bleibt dann nur eine Frühjahrsbestellung. Somit ist diese Lösung auch nur etwas für einen Teil der zu bestellende Winterungsfläche!!
Eine weitere Möglichkeit besteht, wenn nach der Aussaat, kurz vor dem Durchstoßen der Kulturpflanzen und dem Fadenstadium des Ackerfuchsschwanzes ein Striegelgang („Blindstriegeln“) durchgeführt wird. Hier wird aber vorausgesetzt, dass Sie eine gleichmäßige Saatgutablage bei ca. 3 cm realisieren können und ein feines Saatbeet vorhanden ist. Desweiteren sollten Sie die Saatstärke um ca. 5 % erhöhen. Nach dem Striegelgang wird dann ein gängiges Herbizid (Flufenacet + …) eingesetzt. Durch eine etwas verzögerte Aussaat wurde in Versuchen der Besatz an Ackerfuchsschwanz schon um ca. 50 % reduziert. Bei zusätzlichem Striegeleinsatz konnte nochmals eine deutliche Reduzierung erzielt werden.
Weiter sollte bei mit Ackerfuchsschwanz befallenen Flächen, die Herbizidapplikation immer unter optimalen Bedingungen erfolgen. Das heißt, dass nach der Aussaat relativ schnell (spätestens nach 7 Tagen) Niederschlag fällt und somit die kurz vor oder nach den Niederschlägen applizierten Herbstherbizide (Bodenwirkstoffe) sehr gute Wirkungsbedingungen haben.
Es ist uns/mir klar, dass es vom Schreibtisch aus immer einfach ist neue Ideen/Erfahrungen umzusetzen, aber die Zulassung des Wirkstoffes Flufenacet wurde nicht mehr verlängert und die Resistenzbildung hört nicht auf. Vielleicht probieren Sie bei guter Wetterlage auf ein oder zwei stark betroffenen Schläge etwas Neues aus.
Diesen Herbst dürfen Produkte mit dem Wirkstoff Flufenacet zum letzten Mal eingesetzt werden!
Die besten chemischen Alternativen werden die Kombination von den Wirkstoffen Prosulfocarb + Aclonifen + Diflufenican oder Prosulfocarb + Diflufenican + CTU + Pendimethalin oder Prosulfocarb + Beflubutamid + Pendimethalin oder … sein. Teilweise auch als Doppelbehandlung im Herbst.
Achten Sie darauf, dass CTU nicht zu spät, nicht auf drainierten Flächen und nur in verträglichen Weizensorten appliziert wird.
Bei den Wirkstoffen Prosulfocarb und Pendimethalin müssen mindestens 300 l Wasser/ha eingesetzt und 90 % abdriftmindernde Düsen verwendet werden. Die Fahrgeschwindigkeit darf 7,5 km/h nicht überschreiten und bei einer Windgeschwindigkeit von über 3 m/s darf nicht appliziert werden!
In Winterweichweizen können Sie dieses Jahr mit der Notfallzulassung des Produktes „Luxinum“ (vom 01.09. – 29.12.2026) eine Ackerfuchsschwanzbekämpfung durchführen. Bei diesem Produkt sollte das Saatbeet feinkrümelig und feucht sein, das Saatgut mindestens mit ca. 3 cm Boden bedeckt sein und ca. 3 Wochen lang nach der Applikation Wachstum herrschen.
Es wird nicht DIE Lösung geben, wahrscheinlich ist eine Kombination von den oben aufgeführten Möglichkeiten (ackerbaulich + chemisch) die beste Strategie.