Warndienst Nr. 23

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Warndienst Nr. 23_2026

Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen

17.07.2026

 

 

Zucker- und Masserüben

Die Bestände waren bis jetzt sehr gesund. Die feuchtwarme Witterung der letzten Tage waren gute 

Bedingungen für pilzliche Infektionen (Niederschlag regional jedoch sehr unterschiedlich). Darum sollten Sie jetzt regelmäßig Ihre Bestände auf Krankheiten kontrollieren.

Hierbei schauen oder entnehmen Sie 100 zufällig ausgewählte Blätter aus dem mittleren Blattapparat.

Die Bekämpfungsrichtwerte aller Krankheitserreger in Summe (Cercospora, Ramularia, Mehltau und 

Rost) lauten wie folgt:

Erstbehandlung:

bis Ende Juli: 5 % befallene Blätter

bis Mitte August: 15 % befallene Blätter

Folgebehandlung:

bis Mitte August: 15 % befallene Blätter

ab Mitte August: 45 % befallene Blätter

ab Anfang September i. d. R. keine Behandlung mehr erforderlich

Wenn die Bekämpfungsschwellen überschritten sind, sollten Sie zügigen behandeln. Mögliche 

Produkte finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ in der Tabelle 48 auf der Seite 96 und 97 sowie im Warndienst Nr.19.

 

Verunkrautete Flächen

Auch in diesem Jahr sieht man Flächen im Landkreis, bei denen Unkräuter und Ungräser (Ackerfuchsschwanz, teilweise Windhalm, Weidelgras oder Trespen) aus dem Bestand herausschauen. Kontrollieren Sie auch Ihre Flächen bei denen man nicht schon von Weitem das Unkraut /-gras sieht auf „versteckten“ Befall. Welche Bodenbearbeitungsstrategie in diesem Jahr die Richtig ist, ist zum jetzigen Zeitpunkt schwer zu sagen. Wenn es weiterhin sehr trocken bleibt werden tiefere Bearbeitungsgänge auch noch die letzte verbliebene Feuchte verschwinden lassen. Zum jetzigen Zeitpunkt werden flache Bearbeitungen um das Ausfallgetreide und Ungräser zum Auflaufen zu bringen die beste Lösung sein. Denke Sie dabei an eine gute Rückverfestigung um die Kapillarwirkung wieder „herzustellen“. Ein entsprechender Niederschlag sollte danach trotzdem folgen um Erfolge zu verzeichnen. Wenn Windhalm trotz (Frühjahrs-) Behandlung auf der Fläche steht, ist meist eine Resistenz gegen Herbizide oder eine Anwendung unter nicht optimalen Bedingungen die Ursache (siehe nächster Abschnitt).

Wer Weidelgras auf seinen Flächen hat und dieses zum „Aussamen“ kam, sollte mehrmals flach bearbeiten. Weidelgras besitzt keine bzw. sehr geringe Keimruhe. Somit ist es möglich die ausgefallenen Samen gleich wieder zum Keimen zu bringen und die Pflanzen wieder mechanisch zu zerstören.

Bei der Trespe ist meist die Lösung einfach. Da die Trespe die wendende Bodenbearbeitung nicht „verträgt“, reicht der Einsatz des Pfluges. Oft ist die Trespe zuerst am Rand der Fläche zu finden. Hier reicht oft bei Mulchsaatbetrieben den Pflug nur am Rand bzw. Vorgewende einzusetzen. Wo es die Bodenbedingungen zulassen sollte tief (> 25 cm) bearbeitet werden à in der aktuellen Lage auf die Rückverfestigung achten.

Beim Ackerfuchsschwanz gibt es leider keine so einfache Lösung. Je nach Temperatur bei der Samenreife (warm àkürzere Keimruhe/kühl à längere Keimruhe) kann der Samen nach einem Lichtreiz und bestehender Bodenfeuchte innerhalb 4 bis 6 Wochen auflaufen. Bis jetzt war die Strategie immer die, auf Flächen mit AFU nach der Ernte nur auf flache Bodenbearbeitung zu „setzen“. Erst zur Saat der Folgekultur wurde dann tiefer bearbeitet. Da AFU ein Lichtkeimer ist und bei Samen, die tiefer als 3 cm im Boden liegen die Keimrate sehr schnell abnimmt. Um die sehr geringe Arbeitstiefe von max. 3 cm zu erreichen sind Spezialgeräte (Strohstriegel, Exaktgrubber, …) erforderlich. Alternativ können unkonventionelle Lösungen mit vorhandenen Geräten (Wiesenstriegel, Wiesenegge, …) ausprobiert werden. Wichtig ist hierbei, dass die Ernte-, Stroh- oder Stoppelreste gering sind, da sonst keine guten Arbeitsergebnisse erzielt werden. Bei der Bearbeitung sollte bei geringen Arbeitstiefen immer gegen die Saatrichtung/Fahrspur bzw. 30 % geschränkt gefahren werden um eine flächige Bearbeitung zu erreichen. Da jedoch bei einer zügigen Zwischenfruchtsaat nach Getreide meist keine 4-6 Wochen für die Keimung von AFU gewartet werden kann und in dieser Zeit auch nicht immer genügend Feuchtigkeit / Niederschlag vorhanden ist, gibt es auch eine andere Strategie bzw. einen anderen Ansatz. Hierbei wird gerade anders vorgegangen, da die frisch ausgefallenen AFU-Samen sich in der primären Keimruhe befinden und deshalb sowieso nicht sofort auflaufen würden. Hier wird zeitig nach der Ernte tief bearbeitet und ein Saatbeet „erzeugt“ (z.B.: Packer am Pflug, …) in der Hoffnung, dass die Bodenfeuchte zur Keimung der Samen, welche in der sekundären Keimruhe sind und aus tieferen Schichten kommen ausreicht. Danach bzw. vor der Aussaat der Zwischenfrucht, … wird nur noch flach bearbeitet. Wenn es jedoch vor oder zeitnah nach der tiefen Bearbeitung nicht ergiebig regnet ist von tiefen Bearbeitungen abzuraten. Jede Strategie hat seine Berechtigung. Es kommt auf die Betriebs- und Wettersituationen an. Wer genügend Zeit hat, genügend Bodenfeucht erwarte und/oder im aktuellen Jahr einen hohen Gräserbesatz hatte, wird mit der „flachen Strategie“ Erfolge erzielen. Wem wenig Zeit zwischen Ernte und Neuansaat verbleibt und/oder die Vorkultur ohne Ungräser war, wird mit der „tiefen Strategie“ mehr Chancen haben im Boden vorhandene Samen zur Keimung zu bringen.Welche Strategie für Sie bzw. Ihre Fruchtfolge, aktuelle Wetterlage, … passt, müssen Sie für jeden Schlag bzw. Jahr neu beurteilen.

Dann kommt für Sie als Betriebsleiter noch die Frage warum die Unkräuter /-gräser „durchgewachsen“ sind? Es ist zu hinterfragen, ob in diesem und/oder im letzten Jahr die Unkrautkontrolle nicht zum optimalen Termin (Bodenfeuchte, Luftfeuchte, Entwicklungsstadium, …) durchgeführt wurde und darum der Besatz in der Kultur da ist. Oft sind zuerst in gut aussehenden Herbstapplikationen doch noch Ungräser aufgelaufen. Kommt der Besatz flächig vor und sind alle gleich behandelten Flächen betroffen, waren mit hoher Sicherheit Applikationsprobleme der Grund. Taucht vor allem der AFU nur teilweise und nesterweise (rundlich oder schlauchförmig) auf, könnte die Ursache eine bestehende Resistenz sein. Wenn dieser Verdacht naheliegt, dann sollten Sie von diesen Samen einen Resistenztest durchführen lassen. Dieser gibt Ihnen einen Überblick, welche Handlungsalternativen (Wirkstoffe) zur Bekämpfung noch zur Verfügung stehen.