Warndienst Nr. 17_2026
Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen
26.05.2026
Pflanzenschutzmaßnahmen sollten diese Woche nur am späten Abend, nachts oder sehr früh am Morgen appliziert werden!
Getreide
Teilweise sind Getreidehähnchenkäfer und auch Larven auf den Blättern zu sehen. Bis jetzt ist die Schadschwelle von 20% geschädigte Blattfläche auf den obersten drei Blättern oder ein Ei bzw. eine Larve je Halm noch nicht überschritten. Jedoch sollten die Getreidebestände, vor allem Sommergerste und Hafer regelmäßig kontrolliert werden.
Ein prophylaktischer bzw. routinemäßiger Einsatz entspricht nicht den Grundsätzen des integrierten Pflanzenschutzes und ist daher zu unterlassen. Zur Ermittlung des Bekämpfungsrichtwertes wird an 5 Stellen pro Bewirtschaftungseinheit jeweils an 5 zufällig ausgesuchten Halme überprüft. Dabei das ganze Blatt betrachten. Um schlagspezifisch zu handeln, sollten Sie Ihre Bestände im Blick haben und regelmäßig kontrollieren. Gewitterschauer können die Situation entspannen.
Bewirtschaften Sie Flächen in Schutzgebieten, gibt es beim Insektizideinsatz besondere Auflagen zu beachten. Solange keine amtliche Behandlungsempfehlung vorliegt und es auf einzelnen Schlägen zu einer Überschreitung des Bekämpfungsrichtwertes kommt, ist Rücksprache mit der amtlichen Beratung aufzunehmen.
Denken Sie in den Schutzgebieten immer an die Dokumentation, die Randdüse, 90 % abdriftmindernde Düsen bei mind. 2 bar, … und ein Spritzfenster.
Fungizideinsatz Winterweizen
Der Winterweizen ist im Landkreis zwischen ES 39 und ES 61 (sehr frühe Sorten im südlichen Landkreis).
Die Septoria tritici befindet sich weiterhin auf den Blattetagen F-4 und F-3 in seltenen Fällen (frühe Sorten, welche am 06. und 07. Mai das Fahnenblatt voll entwickelt hatten) auf F-2. Nördlich der Donau ist meist kein Krankheitsdruck.
Wer bis jetzt noch kein Fungizid appliziert hat, kann bei der jetzigen Wetterlage eine Einfachbehandlung in ES 55 oder ES 61 (meist blüht der Weizen relativ schnell nach dem Schieben der Ähre) durchführen. Betriebe die schon in ES 37/39 appliziert haben, können abwarten wie das Wetter zur Blüte ist und dementsprechend handeln.
Bis jetzt haben wir im Weizen in Krauchenwies und auch an anderen ISIP-Standorten keine Roste gefunden.
Sommergerste
Die Bestände befinden sich je nach Aussaattermin und Region schon in ES 39 – 49, teilweise in ES 51. Gleich wie in der
Wintergerste ist auch in der Sommergerste eine gute Abschlussbehandlung in ES 39 – 51 sehr wichtig. Für einen langanhaltenden
starken Schutz gegen Ramularia und nichtparasitäre Blattflecken empfehlen wir Mittelkombinationen aus Ascra Xpro, Elatus Era,
Revytrex, Proline, … und dem Wirkstoff Folpet (Folpan SC 500, Nafabo, … bzw. mit Azoxystrobin in Amistar Max) in angepassten
Aufwandmengen. Beim Wirkstoff Folpet sollte nicht reduziert werden. Beim weiteren Mischungspartner kann meist auf 80 % der regulären
Aufwandmenge reduziert werden.
Der optimale Zeitpunkt ist ab ES 39 am besten ES 49-51 (Grannen sichtbar) , wenn sich das Fahnenblatt waagrecht „legt“ und Sie
die ersten Grannen sehen.
Zucker- und Masserüben
Das trockene Wetter kann die Schädlingspopulationen fördern. Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Bestände. Am besten immer an 4 Stellen im Bestand jeweils 10 Pflanzen. Dieser ermittelte Richtwert gibt den Durchschnitt.
Die Bekämpfungsschwellen für Schädlinge in der Rübe finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ auf der Seite 93 oben.
Feldrandhygiene
Führen Sie an Wegen, Weg- und Feldrändern zur Vorbeugung des Einwanderns von Ungräsern oder Unkräutern wie z.B. Trespen, Jährige Rispe, Storchschnabel oder Ackerwinden aber auch pilzlichen Krankheiten wie z.B. Mutterkorn in die Kulturfläche eine mechanische Pflegemaßnahme durch. Sollten die Trespen schon vom Rand her in den Bestand eingewandert sein, scheuen Sie auch nicht davor zurück, etwas in den Bestand zu fahren und im Zweifelsfall etwas Getreide im Randbereich mit weg zu mähen. Das sieht zwar im Moment nicht schön aus, verringert aber das Samenpotenzial für die Zukunft. Durch das Mähen bzw. Mulchen der Wegränder wird eine dichte Grasnarbe gefördert und gleichzeitig der Pilz- und Unkrautdruck auf die Kulturpflanzen gemindert.
Gleichzeitig sind aber Feldränder wichtige Vernetzungsstrukturen und dienen als Rückzugsgebiete und Flächen, die einen Austausch von Kleinlebewesen in unserer ziemlich beanspruchten Agrarlandschaft möglich machen. Ein einmaliges Abmähen /-mulchen der Ränder zur Grasblüte stellt einen Kompromiss dar und ist in den meisten Fällen ausreichend. Wenn Sie obengenannte Ungräser und –kräuter auf Ihren Feldränder nicht vorfinden, kann ein „stehen lassen“ des Aufwuchses ein positiver Effekt für die Kleinlebewesen sein.
Hinsichtlich des Insektenschutzes sollten Sie auf das Mulchen verzichten und am besten die mechanische Pflegemaßnahme mit einem Messerbalken oder Scheibenmähwerk ohne Aufbereiter durchzuführen.
Eine chemische Behandlung von Wegen und Wegrändern ist verboten und wird mit Bußgeldern belegt. Zudem wird die Grasnarbe
abgetötet und das Einwandern von Unkräutern und Trespen erleichtert. Diese Maßnahme erweist sich also im doppelten Sinne
kontraproduktiv.
Felderbegehungen
Der Fachbereich Landwirtschaft lädt interessierte Landwirtinnen und Landwirte zu den Felder-begehungen auf das Zentrale Versuchsfeld Oberland bei Krauchenwies herzlich ein. Die letzte Felderbegehung findet heute, den 26.05.2026 um 19:30 Uhr statt. Besprochen werden Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen in Getreide und Mais.
Das Versuchsfeld liegt an der Bundesstraße 311 zwischen Krauchenwies und Rulfingen vor der Abfahrt nach Ostrach auf der linken Seite.
Kleiner Feldtag
Das Landratsamt Sigmaringen, Fachbereich Landwirtschaft, veranstaltet gemeinsam mit mehreren Pflanzenschutzfirmen den „Kleinen Feldtag“ am Dienstag, den 02.06.2026, um 19:00 Uhr. Landwirte und landwirtschaftliche Berater sind herzlich eingeladen. Der Gesangverein Krauchenwies sorgt für die Bewirtung.
Auf Ackerschlägen von Landwirten werden Versuche zum Herbizideinsatz in Winterweizen, Wintergerste und Winterraps sowie zu Fungizidanwendungen in Wintergerste vorgestellt. Die Versuchsfläche liegt neben dem landwirtschaftlichen Betrieb von Manfred Missel in Sigmaringen-Laiz. Die Anfahrt ist ab der Ortsmitte von Laiz (auf Höhe der Tankstelle) ausgeschildert.
Feldbegehung zur Pflanzenschutzmittelreduktion
Betriebsleiter Steffen Schraudolf, das Landwirtschaftliche Technologiezentrum Augustenberg und das Landwirtschaftsamt Sigmaringen laden zu einer Informationsveranstaltung zum Reduktionspotenzial von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln im Ackerbau ein.
Treffpunkt: Betrieb Schraudolf, Sahlenbacherstr. 5, 88630 Pfullendorf.
Die Teilnehmenden können sich von 19 bis etwa 21 Uhr ein Bild von Demoversuchen in Getreide, Winterraps und Mais machen. Die Versuche werden vorgestellt und anschließend diskutiert. Der Betrieb Schraudolf ist Teil des Demonstrationsbetriebsnetzwerk Pflanzenschutzmittelreduktion, dessen Ziel die praxisnahe Erarbeitung und Etablierung von Maßnahmen im Bereich der Reduktion ist.
Die Veranstaltung wird als zweistündige Sachkundefortbildung bescheinigt.
Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Wir freuen uns auf Ihren Besuch!