Warndienst Nr. 9

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Warndienst Nr. 9_2026

Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen

30.03.2026

 

 

Allgemein

Wenn der Wetterbericht recht behält, sind Pflanzenschutzanwendungen vor Ostern wahrscheinlich weniger sinnvoll bzw. schädlich (Frost). 

 

 

Felderbegehungen

Der Fachbereich Landwirtschaft lädt interessierte Landwirtinnen und Landwirte zu den Felder-begehungen auf das Zentrale Versuchsfeld Oberland bei Krauchenwies herzlich ein. Die erste Felderbegehung findet am Dienstag, den 31.03.2026 um 19:00 Uhr statt. Besprochen werden Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen in Getreide und Winterraps.

 

Die darauffolgenden Termine finden im 2 - wöchigen Rhythmus statt: 14.04.2026 um 19:00 Uhr, 28.04.2026 um 19:30 Uhr, 12.05.2026 um 19:30 Uhr und 26.05.2026 um 19:30 Uhr.

 

Das Versuchsfeld liegt an der Bundesstraße 311 zwischen Krauchenwies und Rulfingen vor der Abfahrt nach Ostrach auf der linken Seite.

 

 

Winterraps

Spätestens ab Donnerstag / Freitag dieser Woche, sollten Sie im südlichen Teil des Landkreises Ihre Rapsbestände auf Rapsglanzkäfer kontrollieren. Erneuern Sie das Wasser der Gelbschalen um den Zuflug zu erkennen. Denken Sie an den Tropfen Spülmittel und die Gitterabdeckung der Gelbschale. Die tatsächliche Bekämpfungsschwelle stellen Sie am Haupttrieb fest. Hier gilt für schwache Beständen 5 Käfer/Haupttrieb und für wüchsige/starke Bestände 10 Käfer/Haupttrieb.

Welches Insektizid verwendet werden soll, wurde im Warndienst Nr. 8 beschrieben. Auch der Einsatz von Wachstumsreglern.

Betriebe, die das Prognosemodell „SkleroPro“ nutzen möchten bzw. müssen, können die nächsten kalten Tage nutzen um einen Schlag in ISIP anzulegen. Das Prognosemodell finden Sie auf der Web-Seite www.isip.de. Nach dem Login gehe Sie auf „Meine Kulturen“ > Ackerbau> Raps > Sklerotinia. Hier können Sie schlagspezifische Daten erfassen und erhalten nach Zustimmung per E-Mail eine Nachricht, sobald das Programm eine Infektionsgefahr errechnet hat. Betriebs- bzw. schlagindividuell ist dann die Eingabe des Datums des Knospenstadiums. Dies wird auf der Eingabeseite unten nochmals ausführlich erklärt.

 

 

Zucker- und Biomasserüben

Teilweise wurden Rüben schon Anfang letzter Woche gesät. Jetzt gilt es den richtigen Zeitpunkt für die erste Behandlung (Vorauflauf-/Nachauflaufbehandlung (NAK)) zu finden und die passenden Produkte bzw. Wirkstoffe zu wählen. Die NAK‘s beziehen sich immer auf das Keimblattstadium (allerhöchstens das 1. Laubblattstadium) der Unkräuter, unabhängig vom Entwicklungsstand der Rüben. Die Folgespritzungen (2. und 3. NAK) orientieren sich jeweils an den neu aufgelaufenen bzw. auflaufenden Unkräutern. 

Da in unserer Region in manchen Betrieben Ausfallraps vermehrt auftritt und der Wirkstoff Triflusulfuron (Debut) nicht mehr zugelassen ist, sollte der Wirkstoff Metamitron mindestens in der 1. NAK „erhöht“ werden und/oder der Wirkstoff Lenacil (Venzar 500 SC) in die Mischung mitaufgenommen werden. 

Die Grundmischung besteht immer aus einem Bodenherbizid und einer blattaktiven Komponente. Bei einer breiteren Verunkrautung kommen dann Wirkstoffe wie z.B. Quinmerac (Klettenlabkraut) hinzu.

Je nach Witterungsbedingungen (feucht/trocken) und Größe der Unkräuter (Wachsschicht) müssen die jeweiligen Aufwandmengen von Blatt- und Bodenwirkstoffen angepasst werden. Bei Tankmischungen mit SC oder SE Formulierungen muss zur Verbesserung der Wirkung (Verteilung, Haftung, Eindringung) ein Additiv (ÖL) zugemischt werden. Bei EC – formulierten Produkt wie z.B. Wizard kann auf ein Zusatz verzichtet werden. Bei Behandlungen nach längeren oder intensiveren Regenfällen mit geringem folgendem Sonnenschein muss teilweise der Öl – Zusatz reduziert werden.

Bitte beachten Sie bei Mischungen von Insektiziden und Additiven die Auflagen. Die meisten Additive dürfen mit Insektiziden NICHT gemischt werden. Meist treten Schädlinge erst zur 2. oder 3. NAK auf. Ist zu diesem Zeitpunkt die Bekämpfungsschwelle eines Schädlings überschritten, muss das Insektizid in einer separaten Überfahrt ausgebracht werden. 

Um den optimalen Zeitpunkt für die 1. NAK nicht zu verpassen, sollten Sie bei früh gesäten Beständen ab Ender der Woche schauen, ob erste Unkräuter auflaufen und diese dann Bestimmen, um passende Komponenten/Produkte für die 1. NAK zu finden.

Erste Unkräuter wie z.B. Ausfallraps und Ehrenpreis laufen nach ca. 90 °C-Tage auf. Da es seit Mitte der letzten Woche relativ kühl ist, wird dieser Wert für die früh gesäten Rüben nach jetziger Prognose erst an/nach Ostern erreicht.

Ungräser sollten im 2-3 Blatt-Stadium behandelt werden, damit eine gesicherte Wirkstoffaufnahme gewährleistet werden kann.

Eine Empfehlung von Grundmischungen finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ in der Tabelle 46 auf den Seiten 94 - 95 und für Gräserprodukte in der Tabelle 47 auf der Seite 96 - 97

Beachten Sie bitte die maximalen Aufwandmengen über die Spritzfolge einzelner Produkte oder Wirkstoffe nicht zu überschreiten. Beim Wirkstoff Quinmerac dürfen nur 250 g pro Hektar und Jahr ausgebracht werden (NG 343) und beim Wirkstoff Lenacil innerhalb 3 Jahren nur maximal 500g/ha (NG 360). Der Wirkstoff Clopyralid hat die Auflage NG 350 und darf auf derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr nicht angewendet werden. 

Neu in diesem Jahr ist das Produkt Rinpode mit einer regulären Zulassung. Das Produkt wirkt relativ schnell über das Blatt gegen Bingelkraut, Weißer Gänsefuß und Hundspetersilie. Vor allem können Unkräuter mit einer Resistenz gegen ALS – Hemmer (HRAC 2) und PS-II – Hemmer (HRAC 5) sicher bekämpft werden. Da diese Resistenzen jedoch in unserem Landkreis noch nicht bzw. sehr selten vorkommen reicht gegen den Weißen Gänsefuß auf den allermeisten Flächen bei uns der Wirkstoff Metamitron (ca. 3000 – 3500 g/ha und Jahr) aus. Wird Rinpode eingesetzt, kann es mit den Basisherbiziden gemischt werden à jedoch sind Wuchsveränderungen an der Kulturpflanzen möglich. In der Mischung mit Lenacil kann es zu Kulturschäden führen. Mischungen mit Clopyralid und Dimethenamid sind nicht freigegeben und Mischungen mit Insektiziden nicht empfohlen.

Reinigen Sie Ihre Applikationstechnik gründlich vor dem Einsatz in den Rüben, um mögliche Schäden durch eventuelle Rückstände von Sulfonylharnstoffen, Triazinen und Wuchsstoffen auszuschließen. Am besten ist die Reinigung immer gleich nach der Applikation, damit keine Mittel- bzw. Brühereste sich am Behälter, Leitungen oder Filtern anlagern bzw. antrocknen können.

Durch die aktuelle feuchte Witterung kann es die nächsten Tage auch zu Schneckenbefall kommen. Kontrollieren Sie die Rübenschläge (IPSplus Maßnahme A2.3) an mindestens 2 Stellen pro Bewirtschaftungseinheit (nicht im Randbereich) auf das Vorkommen von Nacktschnecken mit Jute- oder Plastiksäcken, Brettern (Größe ca. 0,5 m²) oder speziellen Schneckenfolien. Von Vorteil ist die Beköderung unter den Matten mit einem Metaldehyd-haltigem Schneckenkorn, dass durch das Ausschleimen auch die wieder abgewanderten Schnecken erkennbar macht.

Bekämpfungsrichtwert bis zum Erreichen des 4-Blattstadiums: Eine Schnecke pro Kontrollstelle in 1 bis 2 Tagen.

Mögliche Produkte finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ in der Tabelle 3 auf der Seite 24.

 

Der Fachbereich Landwirtschaft wünscht Ihnen und Ihren Familien

frohe und gesegnete Osterfeiertage!