Warndienst Nr. 8_2026
Pflanzenschutz und Pflanzenbau des Landratsamtes Sigmaringen
16.03.2026
Winterraps
Bitte erneuern Sie weiterhin regelmäßig das Wasser in den Gelbschalen, kontrollieren Sie diese und denken Sie daran, dass diese demnächst „mitwachsen“ sollten!
Schadschwellen für Stängelschädlinge siehe Infodienst Nr. 5 oder im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ auf der Seite 86.
Sobald der Raps abhebt spielt der Rapsglanzkäfer eine Rolle. Gelbschalen zeigen den Zeitpunkt des Zuflugs, sind aber ohne Aussagekraft über den Befallsdruck im Feld! Die Befallsfeststellung des Rapsglanzkäfers ist ab der Knospenbildung an den Haupttrieben durchzuführen.
Der Bekämpfungsrichtwert liegt bei 10 Käfer/Haupttrieb bei wüchsigen/starken Beständen. Bei schwachen Beständen halbiert sich dieser Wert auf 5 Käfer/Haupttrieb.
Wenn Sie sowohl Stängelschädlinge als auch Rapsglanzkäferfänge in der Gelbschale haben und die Schadschwellen überschritten werden, ist das Produkt Trebon 30 EC die bessere Wahl.
Das Produkt Mospilan SG bzw. Danjiri ist nur von ES 51 „Blütenanlage des Hauptsprosses in obersten Blättern von oben sichtbar bis Erste Blütenblätter sichtbar; Blüten noch geschlossen(ES59)“ zugelassen. Mavrik Vita bzw. Evure sollte auf spätere, vielleicht nötige Applikationen „aufgehoben“ werden, da diese Produkte nicht bienengefährlich (B4) sind.
Beachten Sie bitte beim Einsatz von Insektiziden auch in Kombination mit Fungiziden (Integrierter Pflanzenschutz 2026, Tabelle 42, Seite 86-87) immer die Auflagen zum Bienenschutz um Schäden an Bienen zu vermeiden!
Im Herbst war der „Phoma – Druck“ etwas höher als die Jahre davor. Wie sich das Infektionsrisiko entwickelt, kommt aber auf die Witterung der nächsten Wochen an.
Wir empfehlen aufgrund der Versuchsergebnisse der letzten Jahre aus den Landesversuchen generell keinen Einsatz von Fungiziden im Frühjahr im Winterraps.
Wenn eine wuchsregulierende Wirkung bzw. die Forderung von Nebentrieben gewünscht ist sollten Sie folgendes beachten:
- wüchsige Bestände nicht zu früh und zu intensiv einkürzen (ca. 20- 30 cm Wuchshöhe)
- schwächere Bestände früh und mit moderaten Mengen behandeln
Versprechen Sie sich aber nicht allzu viel davon.
Beachten Sie die aktuellen Wetterprognosen! Wachstumsregulierende Fungizide sollten nicht bei Stresssituationen wie Staunässe, Nährstoffmangel und auch Frost appliziert werden.
Mögliche Produkte finden Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ (Tabelle 43, Seite 88-89), bei denen unter Standfestigkeit eine Aufwandmenge angezeigt wird.
Erbsen und Ackerbohnen
Teilweise wurden schon Leguminosen gesät. Herbizidbehandlungen können gegen Unkräuter ausschließlich nur noch als Vorauflaufanwendungen durchgeführt werden. Für Vorauflaufmittel sollte das Saatbeet gut abgesetzt und feinkrümelig sein. Feuchte Bodenbedingungen und/oder nachfolgende Niederschläge erhöhen die Wirksamkeit und Wirkungssicherheit erheblich. Jedoch muss auf Frost geachtet werden!
Folgende Mittelkombinationen können im VA eingesetzt werden:
· 2,4 kg/ha Novitron DamTec (=2,0 l/ha Bandur + 0,2 l/ha Centium)
· 3,5 - 4,0 l/ha Bandur (auf drainierten Flächen ab 16.03. möglich)
· 4,0 l/ha Spektrum Plus (keine Anwendung auf drainierten Flächen)
· 3,0 l/ha Boxer + 2,0 l/ha Stomp Aqua
Im Heft „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ auf Seite 68 – 69 sind diese Produkte ausführlich beschrieben. Auf diesen Seiten stehen auch die möglichen Produkte zur Gräserbehandlung. Beachten Sie die Anwendungsbestimmungen der einzelnen Produkte.
Beim Wirkstoff Clomazone (im Centium, Novitron DamTec, …) gelten folgende Auflagen:
· wöchentliche Kontrolle über 1 Monat auf Aufhellungen im Umkreis von 100 m. Falls Aufhellungen auftreten, muss dies dem Pflanzenschutzdienst gemeldet werden.
· bei vorhergesagten Tageshöchsttemperaturen > 20°C Spritzungen zwischen 18 Uhr abends und 9 Uhr morgens;
· bei vorhergesagten Tageshöchsttemperaturen > 25°C keine Anwendung
Bei Boxer und Stomp sind folgende Anwendungsbestimmungen zu beachten:
· max. 7,5 km/h Fahrgeschwindigkeit
· mind. 300 l Wasser/ha
· Verwendung von 90% abdriftmindernden Düsen auf der gesamten Fläche
· max. zulässige Windgeschwindigkeit von 3 m/s
Herbizidanwendung Sommergetreide
Die letzten Tage wurde viel Sommergetreide ausgesät. Wenn jemand sehr starken Ackerfuchs-schwanzdruck auf seinen Flächen hat, können im ES 10-13 der Sommergerste bis zu 5 l/ha eines prosulfocarbhaltigen – Produktes (z.B.: Roxy, Cofeno, …) eingesetzt werden. Dies kann solo im frühen 1-Blatt-Stadium oder in Mischung in ES 13 (Axial + Prosulfocarb) appliziert werden. Bitte achten Sie darauf, dass Boxer nur mit der „alten“ Zulassungsnummer eine Zulassung in Sommergerste hat. Beim Einsatz von Prosulfocarb kann es je nach Witterung, … zu Stress für die Pflanze aber auch zu Schäden führen. Wenn es aber aufgrund der Ackerfuchsschwanz- und Resistenzsituation erforderlich ist, geht Wirkung vor Verträglichkeit!
Bei Prosulfocarb - Produkten sind teilweise folgende Anwendungsbestimmungen zu beachten:
- max. 7,5 km/h Fahrgeschwindigkeit
- mind. 300 l Wasser/ha
- Verwendung von 90% abdriftmindernden Düsen auf der gesamten Fläche
- max. zulässige Windgeschwindigkeit von 3 m/s
Wer ein Prosulfocarb – Produkt einsetzt, welches die oben genannten Auflagen nicht besitzt sollte trotzdem diese einhalten um Expositionen auf Nichtzielorganismen zu verhindern bzw. reduzieren.
Wer Flächen auf reinen Windhalmstandorten bewirtschaftet, kann bei vorhandener Bodenfeuchte Concert SX (100 g/ha) einsetzen. Bei erhöhtem Druck mit Ehrenpreis würde sich ein Einsatz mit Alliance (100 g/ha) anbieten (nicht in Hafer). Beide Produkte sind ab ES 13 zugelassen.
Alle weiteren möglichen Produkte haben fast 90 % Blattwirkung. Somit macht der Einsatz erst Sinn, wenn alle Ungräser und –kräuter aufgelaufen sind.
Denken Sie bitte daran, dass Biathlon 4D dieses Jahr nicht mehr eingesetzt werden darf.
Frühe Einkürzung mit Chlormequat
Wer mit CCC (Chlormequat) sein Wintergetreide (hauptsächlich Winterweizen, -triticale und –roggen) einkürzen will, muss dies am besten Ende der Bestockung (ES 27/29) tun. Je nach Aufwandmenge und Wetter lassen sich die unteren 2 – 3 Internodien einkürzen. Damit das CCC gut wirkt, sollte die Tagesdurchschnittstemperatur mind. 5 °C betragen. Zusätzlich ist Sonnenschein für die Wirkung wichtig. Fehlt dieser, sollte die Tagesdurchschnittstemperatur bei über 8 °C liegen.
Beachten Sie, dass CCC vorrübergehend das Wurzelwachstum hemmt. Da CCC stark wasserlöslich ist, muss darauf geachtet werden, dass der Wirkstoff nicht über die Wurzel aufgenommen wird. Findet dies statt kann es sein, dass langfristig das Wurzelwachstum gehemmt wird. Deshalb sollte CCC erst eingesetzt werden, wenn die Kronenwurzeln mehr als 3 cm lang sind.
Ältere Triazole wie z.B. Metconazol und Tebuconazol aber auch Gräserherbizidwirkstoffe wie z.B. Pyroxsulam, Propoxycarbazone, Mesosulfuron, … habe eine ähnliche Wirkung wie CCC. Gibt es Tankmischungen mit den genannten Wirkstoffen, sollten Sie die Aufwandmenge um ca. 30 – 40 % reduzieren bzw. 250 – 350 g/ha Wirkstoffaufwandmenge nicht überschreiten. Bei Frost sollte kein Einsatz erfolgen, deshalb wird frühestens Ende der Woche der Einsatz möglich sein. Genaue Aufwandmengen, Zulassungen, … können Sie im „Integrierter Pflanzenschutz 2026“ in der Tabelle 18 auf der Seite 42 – 43 nachlesen,
Felderbegehungen
Der Fachbereich Landwirtschaft lädt interessierte Landwirtinnen und Landwirte zu den Felder-begehungen auf das Zentrale Versuchsfeld Oberland bei Krauchenwies herzlich ein. Die erste Felderbegehung findet am Dienstag, den 31.03.2026 um 19:00 Uhr statt. Besprochen werden Düngungs- und Pflanzenschutzmaßnahmen in Getreide und Winterraps.
Die darauffolgenden Termine finden im 2 - wöchigen Rhythmus statt: 14.04.2026 um 19:00 Uhr, 28.04.2026 um 19:30 Uhr, 12.05.2026 um 19:30 Uhr und 26.05.2026 um 19:30 Uhr.
Das Versuchsfeld liegt an der Bundesstraße 311 zwischen Krauchenwies und Rulfingen vor der Abfahrt nach Ostrach auf der linken Seite.